Neuer Fachkongress für Inklusion im Arbeitsleben: You can! in Leipzig öffnet erstmals seine Türen
Die BAG WfbM hat heute den ersten Fachkongress You can! im Congress Center Leipzig eröffnet. Bis zum 13. März werden den 3.000 Besucher*innen rund 130 Vorträge, Workshops und Talkrunden geboten. Darüber hinaus präsentieren sich beim Fachkongress über 50 Aussteller. Zur heutigen Eröffnung mit politischen Vertreter*innen gab es auch eine Diskussion zur angekündigten Reform der Werkstattleistung und des Werkstattentgeltes, bei der die BAG WfbM und Werkstatträte Deutschland e. V. einen Appell an das Bundesministerium für Arbeit und Soziales überreichten. Zudem verlieh der Verband die „exzellent“-Preise 2026 an innovative Projekte zur Teilhabe am Arbeitsleben aus Berlin, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.
„Mit You can! haben wir ein neues Veranstaltungsformat geschaffen, dass Interessierte und Expert*innen aus ganz Deutschland zusammenbringt. Sie alle möchten die Zukunft inklusiver Arbeit mitgestalten und finden bei unserem Fachkongress Möglichkeiten, um sich auszutauschen, sich zu vernetzen und neue Impulse mitzunehmen“, fasste Andrea Stratmann, Vorstandsvorsitzende der BAG WfbM, zusammen.
Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, sagte im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung: „Zusammen Arbeit neu denken – unter diesem Motto steht der Fachkongress You can! Das macht deutlich: Damit die Potenziale von Vielfalt und Inklusion im Arbeitsleben voll ausgeschöpft werden können, sind wir alle gefragt. Hier in Leipzig sehen wir, dass es bereits viele gute Initiativen gibt. Durch Dialog und Vernetzung gelingt es, voneinander zu lernen und bessere Voraussetzungen für die berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu schaffen“.
Staatsministerin Köpping unterstreicht Bedeutung von You can!
Zum Beginn von You can! gab es am 11. März 2026 bereits 40 Programmbeiträge aus unterschiedlichen Themenbereichen sowie Beispiele aus der Praxis beruflicher Teilhabe von Menschen mit Behinderungen.
Petra Köpping, Sächsische Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, fasste ihren Eindruck vom ersten Tag des Fachkongresses wie folgt zusammen: „You can – das heißt: Du kannst das! Und genau darum geht es bei Inklusion – und zwar um Zutrauen, echte Teilhabe und darum, Barrieren zu erkennen und zu überwinden. Wir als Freistaat Sachsen unterstützen Inklusion beispielsweise über Fördermöglichkeiten für Investitionen von Leistungsanbietern oder im Rahmen der Zukunftsplattform für soziale Innovationen. Am Herzen liegen uns auch die guten Arbeitsbedingungen in den Werkstätten für Menschen mit Behinderungen und die Interessenvertretung durch Werkstatträte und Frauenbeauftragte. Der Fachkongress You can! ergänzt unsere Aktionen für eine umfassende Inklusion ganz ideal. Ich freue mich, dass wir in Leipzig so viele engagierte Personen, Arbeitsgemeinschaften, Mitarbeitende sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung begrüßen dürfen. Gemeinsamer Austausch, voneinander Lernen, Erfahrungen teilen – das macht dieser Kongress möglich und gerade deshalb ist er so wertvoll.“
20. Verleihung der „exzellent“-Preise
Ein Highlight am Eröffnungstag von You can! war die Verleihung der „exzellent“-Preise der BAG WfbM. Seit 2006 ehrt der Verband mit dieser Auszeichnung innovative, zukunftsweisende und kreative Konzepte seiner Mitglieder. Preise wurden in diesem Jahr sowohl in den Kategorien Arbeit und Bildung als auch für die hervorragende Weiterentwicklung eines bestehenden Projektes vergeben.
Über erste Plätze freuten sich die Lebenshilfe Heinsberg und das Franz Sales Haus aus Essen. Zweite Plätze gingen an das BWMK aus Gelnhausen, Mosaik-Berlin, den Bildungscampus Blauhaus aus Hanau und die Diakonie Nord Nord Ost in Holstein aus Lübeck. Den exzellent:sonderpreis erhielt die Vielfalter Experten für Teilhabe gGmbH, die das Projekt „STANDARDS für die Arbeit der Werkstatträte“ seit 2011 in vorbildlicher Weise weiterentwickelt hat.
Verbesserung der Einkommenssituation von Werkstattbeschäftigten dringend erforderlich
Eine Vielzahl der Kongressteilnehmenden besuchte außerdem die Podiumsdiskussion mit dem Titel „Werkstättenreform – Wege zu mehr Teilhabe und fairer Bezahlung“. Denn bereits im Jahr 2023 war eine Studie im Auftrag des BMAS zum Entgeltsystem in Werkstätten abgeschlossen worden. Trotz eines Aktionsplans vom April 2024 liegt bisher aber noch kein konkreter Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Werkstätten vor.
Die BAG WfbM nahm die Diskussionsrunde bei You can! zum Anlass gemeinsam mit Werkstatträte Deutschland e. V. einen Appell an das BMAS zu überreichen. Dazu erklärte Andrea Stratmann: „Es ist nicht hinnehmbar, dass die rund 300.000 Werkstattbeschäftigten in Deutschland seit mehreren Jahren auf eine Reform des Entgeltsystems warten. Wir appellieren daher an die Politik, unverzüglich ein transparentes und nachhaltiges Entgeltsystem zu schaffen, das Arbeitsleistung anerkennt und soziale Sicherheit gewährleistet.“
Der Fachkongress You can! findet noch bis zum 13. März 2026 im Congress Center Leipzig statt. Presse und Öffentlichkeit sind herzlich eingeladen, sich vor Ort zu informieren und über Inklusion im Arbeitsleben zu diskutieren.
